Giftigkeit von Aluminium(oxid)

So ganz sicher ist sich die Chemtrail-Gemeinde nicht bei der Zusammensetzung der Sprühmischung. Immer wieder liest man aber von Aluminium bzw. Aluminiumoxid, das zu Alzheimer führt (z.B. hier oder hier). Als Quelle dienen dabei zumeist eigene Beiträge oder andere Chemtrail-Websites. Mit den „Nachweisen“ von Aluminium haben wir uns an anderer Stelle schon beschäftigt. Was aber sagt die Wissenschaft zum Thema Aluminium-Toxizität?

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Risikoinformationen der Reinstoffe (Material Safety Data Sheet, MSDS, gibt Auskunft über Handhabung und Gefahren) für Aluminiumoxid und Aluminium. Dort erfahren wir, dass Aluminium als entzündlicher Stoff eingestuft ist und entsprechend von Zündquellen ferngehalten werden sollte. Wäre wahrscheinlich keine gute Idee, es in hoher Konzentration in die Nähe von Flugzeugtriebwerken zu bringen. Für Aluminiumoxid gibt es keine Gefahrenmeldung. Blättern wir ein bisschen weiter, finden wir die Anweisung bei Augen- oder Hautkontakt die betroffene Stelle gründlich zu spülen. Das sind Standardtexte, die sich beispielsweise auch bei Stoffen wie Natriumchlorid (Kochsalz) finden lassen, geben also wenig Aufschluss über die Toxizität. Gleiches gilt für die Handhabungshinweise, wo auch für Wasser empfohlen wird, mit Schutzhandschuhen zu arbeiten. Interessant sind dann aber die toxikologischen Hinweise: In Tierversuchen zeigte sich eine akute Toxizität, wenn man einer Ratte über 10g Aluminiumoxid pro kg Körpergewicht einflöst. Bei reinem Aluminium reichen 2g. Allerdings spielt auch hier das Kochsalz mit 3,5g in ähnlichen Bereichen mit. Außerdem konnten keine Haut- oder Augenreizungen oder krebsfördernde Wirkung gezeigt werden. Vergleicht man all das mit einem wirklich gefährlichen Stoff wie Benzo[a]pyren, der in Zigarettenrauch oder Autoabgasen vorhanden ist oder beim Grillen entsteht, sieht man, dass es möglicherweise gefährlicher ist, durch die Stadt zu laufen oder verbranntes Grillfleisch zu essen als Aluminiumoxid zu verschlucken.

Nun basieren die MSDS natürlich auf dem wissenschaftlichen Konsensus und spezifischen Tests, die vielleicht nicht alle Befunde einschließen. Dann müsste es ja Studien geben, die uns auf mögliche Gefahren hinweisen. Und ja, die gibt es. Es wird mitunter kontrovers diskutiert.

Während die eine Studie keinen negativen Einfluss von Aluminiumoxid auf das Überleben von verschiedenen Zelllinien fand, berichtete eine andere von erhöhtem oxidativen Stress in Stammzellen (allerdings ohne Einfluss auf das Überleben der Zellen). Das kurzzeitige Einatmen von hohen Mengen Aluminiumoxid (wie sie Arbeiter in Metallfabriken ausgesetzt sein können) kann durchaus zu einer Art Entzündungsreaktion in den Atemwegen führen, wobei aber kein Effekt auf den Rest des Körpers festgestellt werden konnte.

Die wahrscheinlich größte Analyse der wissenschaftlichen Literatur zum Thema erschien 2007 im Journal of Toxicology and Environmental Health und ist frei im Internet verfügbar. In dem über 200 Seiten langen Dokument beschreiben die Autoren Wege der menschlichen Aluminium-Aufnahme, Verarbeitung im Körper sowie gesundheitliche Risiken.

Da Aluminium ein sehr häufiges Element auf der Erde ist, nehmen wir es über das Trinkwasser oder die Atemluft (Staub durch Bodenerosion) auf. Am meisten Aluminium gelangt aber über die Nahrungsaufnahme in unseren Körper. Es ist natürlich in Pflanzen und Tieren enthalten, ist aber auch in Zusatzstoffen für das Färben und Stabilisieren von Speisen zu finden. Der größte Teil des aufgenommenen Aluminiums wird direkt über den Urin wieder ausgeschieden. Ein geringer Teil lagert sich zunächst in Knochen, Lunge, Muskeln, Leber und Gehirn ab, wird aber auch wieder abgebaut.

Es gibt derzeit keine überzeugenden Hinweise, dass Aluminium krebsfördernd wirkt. Es gibt dagegen ernstzunehmende Forschungsergebnisse, die eine Verbindung zwischen Aluminium und neurologischen Krankheiten aufzeigen konnten. Die Verbindung zu Alzheimer wurde vermutet, als man in den Gehirnen verstorbener Alzheimer-Patienten Aluminium-Anreicherungen in den für diese Krankheit typischen Plaques (Protein-Ablagerungen) gefunden hat. Jedoch ist unklar, ob die erhöhte Konzentration von Aluminium die Ursache oder eine Folge der Erkrankung ist. Nur vereinzelte Studien konnten bisher einen glaubhaften ursächlichen Zusammenhang herstellen. Es scheint, dass eine (möglicherweise langfristig) hohe Aufnahme von Aluminium, die Bildung der Plaques begünstigt, sofern das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, gegeben ist. Eher unwahrscheinlich ist, dass die durchschnittlich aufgenommene Aluminium-Menge bei gesunden Menschen ohne z.B. genetische Veranlagung einen Effekt auf das Risiko hat, an Alzheimer zu erkranken.

Alzheimer hat viele weitere Risiko-Faktoren wie Cholesterin und Bluthochdruck. Wer sich jedoch Sorgen um seine Aluminium-Aufnahme macht, sollte bei Nahrungsmittel-Zusatzstoffen und Aluminium-haltigen Arzneimitteln vorsichtig sein.

Dies alles ist selbstverständlich kein Beweis dafür, dass irgendjemand uns mit Aluminiumwolken à la Chemtrails einnebelt. Das in der Luft enthaltene Aluminium stammt von aufgewirbeltem Staub und wir nehmen weit mehr Aluminium über die Nahrung auf. Die Aluminium-Werte, die im Regenwasser gefunden wurden, sind mit weit größerer Wahrscheinlichkeit natürlichen Ursprungs.


Quellen:

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