Goldgrube der Pharmaindustrie?

Gerne wird behauptet, dass Pharmakonzerne sich mit Impfungen eine goldene Nase verdienen. Dass internationale Großkonzerne profitorientiert arbeiten, problematische politische Einflussnahme üben und Kostenreduktionen zu fragwürdigen Geschäften führen kann, steht außer Frage. Ist das Impfen aber wirklich das große Geschäft?

Schauen wir uns einfach einmal an, womit so ein Pharmakonzern Geld verdient. Nehmen wir hierfür das vergangene Geschäftsjahr von GlaxoSmithKline (GSK) vor. Der britische Konzern stellt unter anderem den viel umstrittenen MMR-Impfstoff Priorix her. Die Pressemeldung zum Jahresbericht für 2015 (sowie die Berichte der vergangenen Jahre auch) kann online abgerufen werden.

GSK teilt seine Geschäfte in drei Felder ein. Pharmaceuticals umfasst alle verschreibungspflichtigen Arzneistoffe wie z.B. Antibiotika, Antidepressiva, AIDS- oder Epilepsie-Medikamente. Dann gibt es natürlich die Impfungen (Vaccines), die ein wichtiger Geschäftszweig sind, gegen u.a. Tetanus, Diphterie, HPV, Hepatitis A/B, FSME, Windpocken, saisonale Grippe und eben MMR (Mumps-Masern-Röteln). Der dritte Bereich nennt sich Consumer Healthcare und beinhaltet sämtliche nicht-verschreibungspflichtigen Produkte wie Voltaren, Zovirax (Behandlung von Herpes) oder auch Zahnpasta (u.a. Sensodyne).

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Im Jahr 2015 verbuchte GSK weltweit einen Umsatz von umgerechnet 30 Milliarden Euro. Davon stammten etwa 60% aus dem Geschäftsfeld Pharmaceuticals, etwa ein Viertel aus der Consumer Healthcare und nur 15% aus dem Feld der Impfungen.

Der Umsatz alleine gibt aber nur wenig Aufschluss darüber, ob die Geschäfte reich machen, denn den Einnahmen stehen die Ausgaben gegenüber: Gehälter der Angestellten, Werbekosten, Forschung und Entwicklung. Um einen Einblick zu bekommen, wie die Gewinne einer Firma aussehen, wird der „core operating profit“ berechnet. Eine kurze Erklärung dazu findet sich hier. Die Zahlen dazu finden sich ebenfalls im Jahresbericht.

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Die Kernprofite (Hier sind Steuern sowie andere Kosten und Gewinne nicht eingerechnet) lagen demnach bei 7,5 Milliarden Euro. Die Verteilung auf die drei Geschäftsfelder ändert sich hier jedoch. Die Pharmaceuticals machten 72% der Gewinne aus. Das scheint demnach das lukrativste Geschäft zu sein. Am wenigsten gewinnbringend ist die Consumer Healthcare mit nur 11%. Impfungen liegen hier fast unverändert bei 16%.

Mit dem Blick auf diese Zahlen wird eines klar. Den meisten Umsatz macht GSK mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Solche sind auch zur Behandlung von Erkrankungen wie den Masern, Hepatitis, Tetanus und von HP-Viren ausgelöstem Gebärmutterhalskrebs notwendig. Es wäre also ein größeres Geschäft, die ausgebrochenen Krankheiten selbst zu behandeln, anstatt dagegen zu Impfen.

Dass Pharmakonzerne mit ihren Produkten (viel) Geld verdienen, ist natürlich eine Tatsache. 16% von 7,2 Milliarden sind immer noch 1,2 Milliarden Euro. Ein nicht unerheblicher Teil des Geldes fließt aber wiederum in die Erforschung neuer Arzneimittel. Ohne die Produktion von Medikamenten durch „BigPharma“ wäre die Behandlung vieler Krankheiten undenkbar.

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