Was die Experten sagen…

…interessiert die Chemtrail-Anhänger normalerweise herzlich wenig, weil die Experten ihrer Meinung nach Teil der Verschwörung sind. Dennoch haben sich Wissenschaftler dem Thema angenommen und eine Studie im Fachjournal Environmental Research Letters veröffentlicht.

Die Studie beruht auf einer Befragung von Wissenschaftlern, die entweder in der Erforschung der Atmosphäre spezialisiert sind oder sich mit der Chemie der Erde sowie Verschmutzungen beschäftigen. In den Fragebögen wurden „Beweise“ der Chemtrail-Szene präsentiert (Form und Farbe von Kondensstreifen, Aluminium-Messwerte im Regenwasser) und um eine Erklärung dieser Phenomene gebeten.

Die Atmosphären-Forscher sollten vier Fotos bewerten, auf denen angeblich abnormale Kondensstreifen zu sehen waren. Sie wurden gefragt, wie sich die Erscheinung ihrer Meinung nach erklären lässt. Hier die Ergebnisse:

 

Was das Foto zeigt Wie es die Experten erklären Was die Chemtrail-Szene denkt
Einen langen dicken Kondensstreifen neben zwei kurzen dünnen Kondensstreifen Die Beständigkeit der Kondensstreifen wird durch die Luftfeuchtigkeit beeinflusst, die Flugzeuge fliegen wahrscheinlich in verschiedenen Höhen Die beiden kurzen seien normale „Contrails“, die schnell verschwinden, dem langen seien Chemikalien beigemischt, weshalb er länger bestehen bleibt
Eine Lücke in einem Kondensstreifen Durch lokales Aufsteigen oder Absinken von besonders trockener oder warmer Luft entsteht ein Bereich, in dem Beständigkeit des Kondensstreifens anders ist als im umliegenden Gebiet Das Sprühen sei aus- und wieder angeschaltet worden
Dicke Kondensstreifen mit einem Farbspektrum dazwischen Die dicken Kondensstreifen sind ein Hinweis auf besonders feuchte Luft, die Farbeffekte sind deshalb auf Lichtreflektionen in Wassertropfen oder Eiskristallen zurückzuführen Farbeffekte entstünden durch die Chemikalien in der Luft
Netzwerk von Kondensstreifen, inklusive kurvige Linien Die Kurven stammen wahrscheinlich von Flugmanövern des Militärs, Sportfliegern oder der Warteschleife in der Nähe eines Flughafens. Verschiedene Formen und Muster entstehen durch Winde und Luftströmungen Es würde absichtlich flächendeckend gesprüht

Während manche Experten der Ansicht waren, dass die Beständigkeit von Kondensstreifen sich im Vergleich zu früher nicht verändert habe, meinten andere, dass sie heute durchaus beständiger seien, was auf höhere Flughöhen und größeren Wasserausstoß der modernen Motoren zurückzuführen sei. In keinem Fall sahen die Forscher ein „Chemtrail“-Programm als die einfachste Erklärung für die beschriebenen Phänomene.

Die Geochemiker wurden gebeten Messverfahren und Interpretationen von „Chemtrail“-Messwerten zu bewerten:

  1. angeblich zu hohe Barium-, Aluminium- und Strontium-Werte in Schlammprobe: Alle Werte sind im Normalbereich. Da alle drei Elemente sehr häufig in der Erdkruste vorkommen, findet man sie häufig in diesen Mengen in Bodenproben.
  2. Grenzwertüberschreitende Barium-, Kupfer- und Mangan-Werte in der Luft: Es fehlen hier Informationen zu der Probe. Die Elemente könnten auf Verschmutzung durch Industrienähe zustande kommen, aber auch durch aufgewirbelten Staub in die Luft gelangen. Die verwendeten Grenzwerte sind irrelevant, weil sie sich auf Trinkwasser und nicht auf Luftwerte beziehen.
  3. angeblich zu hohe Barium-, Aluminium- und Strontium-Werte in Schneeprobe: Tatsächlich handelt es sich bei der Probe nicht um reinen Schnee sondern wurde einer beschneiten Oberfläche genommen. Verunreinigungen durch Boden, Staub oder Luftverschmutzung könnten die Werte erklären.

Jeweils einer der befragten Wissenschaftler gab bei den Messungen 2 und 3 an, dass ein „Chemtrail“-Programm tatsächlich die einfachste Erklärung sei, gab aber trotzdem mögliche andere Erklärungen an. Die meisten Experten hielten Chemtrails dagegen nicht für eine passende Erklärung. Manche waren zwar der Ansicht, dass der Bestandteil mancher Metalle im Boden im Vergleich zu früher gestiegen sei, dies sei aber auf die veränderte Landwirtschaft oder Luftverschmutzung durch Industrie zurückzuführen.

Darüber hinaus übten die Forscher Kritik an den Probenentnahme-Protokollen, die auf einschlägigen Chemtrail-Websites empfohlen werden. Man solle Teichwasser nahe am Boden entnehmen, wodurch jedoch die Probe mit Sediment verunreinigt wird, das natürlicherweise hohe Werte der Metalle aufweist. Oder man solle Regen oder Schnee mit Einweckgläsern auffangen und die Proben schütteln. Ohne Säurereinigung ist aber davon auszugehen, dass die Gläser kontaminiert sind, besonders bei Metalldeckeln würde das Schütteln Metalle aus diesen herauslösen.

Fazit: Erfahrene Wissenschaftler finden für die angeblichen Chemtrail-Beweise viele Erklärungen, die sich auf natürliche Phänomene, bekannte Effekte der Industrialisierung und fehlerhafte Versuchsdurchführungen zurück führen lassen. Auch wenn, wie in der Wissenschaft normal, die Meinungen über die Details durchaus verschieden sein können, ergibt sich im Gesamtbild nichtsdestotrotz eine konsequente Ablehnung der Chemtrail-Idee.

Interessant ist, dass ein nicht unerheblicher Teil der kontaktierten Forscher, zwar zu einem relevanten Thema gearbeitet hatten, sich aber selbst nicht als Experte sehen und deshalb an der Befragung nicht teilgenommen haben. Dies verhält sich doch sehr gegensätzlich zu der Chemtrail-Szene, wo Menschen, die nie in diesem Bereich gearbeitet haben, sich selbst zum Experten ernennen. Die Berufserfahrung der teilnehmenden Wissenschaftler betrug im Schnitt mindestens 20 Jahre.


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