Was ist Leukämie?

Krebs ist eine fehlprogrammierte Vermehrung von Zellen. Häufig entsteht er durch spontane Mutationen in der DNA. Diese können vor allem beim Kopieren der DNA für die Zellteilung passieren, weshalb Tumore besonders häufig in Geweben entstehen, die sich ständig erneuern (z.B. Blut, Darm, Haut). Dabei verfallen die Zellen in einen Zustand besonders starker Teilungsaktivität. Die resultierenden Tochterzellen können sich allerdings nicht in differenzierte Zellen (wie die verschiedenen ausgereiften Blutkörperchen) weiterentwickeln und verbleiben in einem Vorstadium, wodurch es zu bösartigen Wucherungen kommt. In der Krebstherapie versucht man zum einen durch Bestrahlung oder Operation das Tumorgewebe zu zerstören oder zu entfernen. Bei der Chemotherapie werden durch eine Mischung von Wirkstoffen alle sich schnell teilenden Zellen abgetötet. Das trifft nicht nur die Krebszellen sondern auch Haarfollikel und Darmgewebe, was zu den bekannten Nebenwirkungen führt. Neuere Therapien rekrutieren das Immunsystem die Tumorzellen anzugreifen. Werden nicht alle Krebszellen erwischt, kann es auch nach scheinbar erfolgreicher Therapie zu neuen Wucherungen kommen.

Leukämie ist ein Überbegriff für die verschiedenen Blutkrebsarten. Er wurde erstmals im 19. Jahrhundert beschrieben und leitet sich aus den griechischen Begriffen für „weißes Blut“ her, da das Blutbild einen abnormal hohen Anteil weißer Blutkörperchen aufweist. (Rote Blutkörperchen können keinen Krebs auslösen, da ihnen der Zellkern für die Zellteilung fehlt. Blutkrebs geht also immer von weißen Blutkörperchen oder deren Vorstufen aus.) Wirft man einen Blick auf die Anzahl wissenschaftlicher Publikationen der letzten Jahrzehnte zum Thema, sieht man einen ständigen Anstieg auf fast 10.000 Paper allein im Jahr 2015. Tausende Wissenschaftler weltweit forschen an den Ursachen und der Bekämpfung der verschiedenen Leukämie-Formen – studierte und promovierte Biologen, Chemiker, Mediziner – aber sie alle liegen laut Hamers Jüngern falsch.

paperleukaemie

Wenn so viele Menschen daran arbeiten, warum haben wir noch keine Heilung gefunden? Das liegt wie bei allen Krebsarten an der Heterogenität der Krankheit. Das bedeutet, dass die Ursachen und der Verlauf sehr unterschiedlich sind. Unterschiedliche Mutationen haben unterschiedliche Auswirkungen, das Immunsystem der Patienten reagiert unterschiedlich, selbst die Krebszellen innerhalb eines Menschen unterscheiden sich. Unter all den wissenschaftlichen Arbeiten findet sich übrigens keine einzige von Ryke Geerd Hamer. Trotzdem glaubt er, als einziger die wahren Ursachen von Leukämie zu kennen. Für ihn ist Leukämie keine Krankheit sondern ein Heilungsvorgang.

Daten aus Europa und den USA zeigen, dass die häufigste Leukämie-Form die sogenannte chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist. Ihr Auftrittsrate ist in den letzten Jahrzehnten sehr konstant geblieben und betrifft vor allem ältere Menschen. Mit zunehmendem Alter steigt generell das Krebsrisiko, da die Wahrscheinlichkeit, dass bei der Zellteilung etwas schief geht, mit der Anzahl der Teilungen steigt. Je älter wir werden, desto öfter müssen sich die Zellen teilen. Außerdem lässt die Effektivität der körpereigenen Reparaturmechanismen nach. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass ein gewisses genetisches, also vererbbares, Risiko besteht. Für Hamer wird Leukämie durch eine Knochenmarksschädigung durch „toxische oder radioaktive Bestrahlung“ oder einen biologischen „Selbstwerteinbruch-Konflikt“ ausgelöst. Mit ersterem Fall knüpft er an Beobachtungen an, dass z.B. nach dem Tschernobyl-Unglück ein erhöhtes Auftreten von Leukämie-Fällen mit der radioaktiven Strahlung in Verbindung gebracht wurde, da seine Lehre diesen Effekt nicht erklären kann. Er behauptet aber, dass diese Ursache so gut wie nie vorkommt.

Da man in der GNM von zwei Phasen einer Erkrankung ausgeht und Leukämie laut Hamer die Heilungsphase ist, geht dem Ganzen eine „konflikt-aktive“ Phase voraus, die angeblich durch Osteolyse und Anämie (also Knochenschwund und Blutarmut) gekennzeichnet ist. Was ein „Selbstwerteinbruch-Konflikt“ ist, bleibt offen für Interpretationen, angeblich könne man aber anhand des Ortes der Osteolyse den psychischen Bereich des Konflikts eingrenzen (Knochenschwund in der Schulter könne z.B. durch einen Konflikt in der Partnerschaft hervorgerufen werden). Außerdem setzt Hamer die Osteolyse mit Osteosarkoma, also Knochenkrebs, gleich.

Tatsächlich kommen Osteolysen bei manchen Leukämie-Patienten vor. Das Zusammenspiel von Ursache und Wirkung ist aber eine andere. Osteolysen werden von sogenannten Osteoklasten ausgelöst. Diese Zellen sind für die normale Erneuerung und Reparaturen des Knochens notwendig. Sie werden durch spezifische Signale (sekretierte Proteine oder Markierungen auf der Zelloberfläche) aktiviert und navigiert. Bei Leukämie und anderen Krebsarten kommt es häufig zu einer verstärkten Ausschüttung dieser Signale, was zur überproportionalen Aktivierung von Osteoklasten führen und die Knochen schädigen kann. Vielmehr ist also die Osteolyse eine Folge des Krebses als andersrum.

Knochenkrebs/Osteosarkoma ist wiederum eine andere Geschichte. Knochenkrebs ist eine vergleichsweise seltene Krebsart und betrifft besonders Kinder und Jugendliche, da es häufig mit schnell wachsenden Knochen zusammen hängt. Osteosarkoma ist der häufigste Knochenkrebs, der mit einem Auswuchs von Knochengewebe und Schmerzen einhergeht. Im Gegensatz zur Osteolyse wird hier also Knochengewebe aufgebaut und nicht abgebaut, weshalb die beiden Begriffe nicht synonym verwendet werden können. Oft lässt sich Osteosarkoma auf die verstärkte Aktivierung von Osteoblasten zurück führen, nicht Osteoklasten.

Nach Hamers Theorie sollte auf ein Osteosarkoma immer eine Leukämie folgen. Krebspatienten werden lange nachbehandelt und auf das Wiederauftreten des Krebs untersucht. Bei einem frühen Auftreten von Osteosarkoma und einer Überlebensrate von über 50% sollte ein anschließendes Auftreten von Leukämie gut dokumentiert sein. Es sollte haufenweise wissenschaftliche Publikationen dazu geben. Manche Menschen haben das Pech, tatsächlich von zwei verschiedenen Krebsarten geplagt zu werden. Dies kann dadurch bedingt sein, dass sie eine genetische Prädisposition haben, die krebsfördernde Bedingungen im ganzen Körper schaffen. Der zweite Krebs kann aber auch durch die Strahlungs- oder Chemotherapie zur Behandlung des ersten Krebs entstehen. Leukämie, besonders die akute myeloische Leukämie (AML), kommt dabei besonders häufig vor. Genauso kann es passieren, dass ein Patient ein Osteosarkoma nach der Behandlung für Leukämie entwickelt. Oder dass die Leukämie nach der Behandlung eines Hirntumors oder Brustkrebs entsteht. Jeder einzelne derartige Fall widerlegt Hamers Thesen. Für eine zwingende Reihenfolge Osteosarkoma-Leukämie gibt es keine Hinweise. Die glücklicheren Patienten überleben nicht nur den Knochenkrebs sondern entwickeln keinerlei andere Krebsgeschwüre.


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